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02. Mai 2022
Anpassungen / Neupatienten

Prinzipiell kann jeder Mensch zu uns kommen, der ein akutes gesundheitliches Problem und keinen Hausarzt hat. Bitte bedenken Sie jedoch folgendes:
Nachdem in den vergangenen zwei Jahren nunmehr sieben Praxen mit zusammen acht Ärztinnen und Ärzten in unserem Einzugsbereich ersatzlos schlossen, bzw. kurz vor der Schließung stehen, hat sich unsere Arbeit enorm verdichtet. Die Praxis in Gülchsheim konnten wir noch übernehmen, aber auch wir stoßen nun personell an unsere Kapazitätsgrenzen, was sich besonders bei der telefonischen Erreichbarkeit und in einer Verkürzung der Arztkontaktzeiten für alle Patientinnen und Patienten spürbar widerspiegelt. Insofern ist uns eine umfassende hausärztliche Betreuung, wie beispielsweise Hausbesuche, zeitaufwendige Erörterungen oder auch die Organisation umfangreicher Behandlungspfade etc., nicht mehr in der Form möglich, wie es viele von früher her kennen. Eine zeitnahe Digitalisierung, Archivierung und nicht zuletzt das Studium diverser Vorbefunde sind bis auf weiteres schier unmöglich. Unsere MFA werden noch konsequenter als bisher Beratungsanlässe nach ihrer Dringlichkeit filtern und den zeitlichen Rahmen der Termine limitieren müssen damit wir zumindest eine anlassbezogene Primärversorgung gewährleisten können.

Eine Ausdünnung der ärztlichen Versorgung war bis zu einem gewissen Maß notwendig und auch gesund. Mittlerweile mangelt es jedoch nicht nur an ärztlichem Nachwuchs, sondern auch an qualifizierten medizinischen Fachangestellten. Gleichzeitig hat sich an der Honorarsystematik in den letzten Jahren nichts geändert, sodass man selbst mit mehr Personal und der sich daraus ergebenden Möglichkeit mehr Patienten versorgen zu können kein Mehr an Praxisgewinn generieren kann, sondern im Gegenteil sogar noch Abschläge befürchten muss. In der Konsequenz werden wir alle umdenken müssen. Wartezeiten auf Arzttermine werden sich verlängern, Kontaktzeiten sich weiter verkürzen. In weiten Teilen werden wir uns auf eine durch medizinische Assistenzberufe getragene ambulante Versorgung einstellen müssen, die, wie es andere Länder vormachen, nicht schlechter sein muss als das was wir bisher kannten.

Bildquelle: ©Hausarztpraxis Lohs